Geschichte
Die Anfänge der Strukturellen Integration
Dr. Ida P. Rolf (1896 – 1979), eine der ersten promovierten Biochemikerinnen der USA, entwickelte in den 1950er-Jahren die Methode “Strukturelle Integration”.
Motiviert durch berufliches Interesse und chronische Krankheiten in der Familie begann sie, selbst mit Menschen und ihren Körpern zu arbeiten. Beeinflusst durch alternative Heilmethoden wie Homöopathie, Osteopathie, Chiropraktik, Feldenkrais, Alexander-Technik und Yoga entwickelte sie einen eigenen Ansatz der manuellen Therapie. Sie nannte ihre Methode “Strukturelle Integration”.
Mitte der 1960er-Jahre begann Rolf, ihre Methode zu unterrichten. 1971 gründete sie das Dr. Ida Rolf Institute (DIRI) in Boulder, Colorado. Sie gilt auch heute noch als Pionierin im Bereich der Faszienarbeit und Bewegungsschulung.
Ida Rolfs Erkenntnis
Ida Rolf erkannte, dass strukturelle Ungleichgewichte im Körper zu schmerzhafter Kompensation in Muskeln, Bindegewebe, Bändern und Sehnen führen können. Eine Reorganisation des Fasziennetzes des Körpers in Beziehung zur Schwerkraft ermögliche hingegen mehr Wohlbefinden und Schmerzfreiheit.
Ausbildungsinstitute weltweit
Weltweit wird Strukturelle Integration heute in verschiedener Ausprägung an über einem Dutzend Ausbildungsinstituten gelehrt.
Die als «Rolfing®» bekannte ursprüngliche Richtung wird am Dr. Ida Rolf Institut in Boulder und Tochter-Instituten in Europa, Australien, Brasilien, Japan und Kanada unterrichtet.
Einige Lehrkräfte trennten sich vom Rolf Institut und gründeten eigene Ausbildungsinstitute mit zusätzlichen Schwerpunkten in Behandlung und Philosophie. An Rolfs originalem Rezept hielten sie jedoch mehrheitlich fest. Die bekanntesten dieser Institute sind die «Guild for Structural Integration», «Hellerwork® Structural Integration» oder das «Soma Institute of Structural Integration». Hellerwork® und das Soma Institut betonen zum Beispiel das Gespräch und psychologische Aspekte.
Einen neuen Ansatz verfolgte Thomas W. Myers, ein Schüler von Rolf. Myers war fasziniert von Rolfs Aussage «dass die Faszien alles miteinander verbinden». In seinem Buch «Anatomy Trains» präsentierte er im Jahr 2001 körperweite fasziale Verbindungen, die Kräfte übertragen. Diese Verbindungen nannte er Anatomy Trains. In Zusammenarbeit mit Anatomen gelang es ihm, diese myofaszialen Verbindungen zu sezieren und damit deren Existenz nachzuweisen. In der Folge entwickelte er eine eigenständige Serie von zwölf Behandlungen, die auf den Anatomy Trains basieren. Myers gründete eine Schulungsorganisation mit Sitz in Walpole, Maine. Diese organisiert weltweit Ausbildungsgänge in «Anatomy Trains Structural Integration».
“Your body is more like a plant than a machine. We are grown from a tiny seed - a single fertilised ovum - not glued together in parts.”
Tom Myers
Internationaler Verband IASI
2002 wurde der internationale Verband für Strukturelle Integration «IASI – International Association of Structural Integrators» gegründet. Der Verband bezweckt die Qualitätssicherung in der Ausbildung sowie den Schutz und die Weiterentwicklung der Methode. Die IASI legt international gültige Richtlinien für die Ausbildung in Struktureller Integration fest. Ausbildungsinstitute für Strukturelle Integration müssen von der IASI anerkannt werden und deren Richtlinien einhalten.
Strukturelle Integration in der Schweiz
In der Schweiz praktizierte der Arzt Hans Flury (1945 – 2023) ab 1978 als Erster Strukturelle Integration. Flury entwickelte zudem die Bewegungslehre «Normal Function» und verfasste die «Notes on Structural Integration». 1995 publizierte er das Buch «Die neue Leichtigkeit des Körpers». Zusammen mit einer internationalen Gruppe von Rolfer:innen gründete Flury 1991 die «Schweizerische Gesellschaft für Strukturelle Integration SGSI».
Im Jahr 2002 wurde der Verband «IDA Verband für Rolfing® & Strukturelle Integration Schweiz» gegründet. Er ist seither der Berufsverband für Therapeut:innen der Strukturellen Integration in der Schweiz und Trägerverband der Methode Strukturelle Integration im Rahmen des Berufsbildes “KomplementärTherapeut:in”.
2015 wurde Strukturelle Integration als Methode des eidgenössisch anerkannten Berufs “KomplementärTherapeut:in” anerkannt.