Faszien –  Strukturen, Eigenschaften und Aufgaben

Warum Faszien?
courtesy of Anatomy Trains

Faszien, das ideale Therapiegewebe

Faszien eignen sich in idealer Weise als Therapiegewebe. Aufgrund ihrer Eigenschaften reagieren sie sehr gut auf manuelle Beeinflussung. Mit Faszien-Release-Techniken können zum Beispiel Verklebungen gelöst, Verkürzungen aufgehoben und das Gewebe neu ausgerichtet werden. 

Das körperweite Fasziennetz übernimmt zudem eine Reihe von grundlegenden Aufgaben was unsere Haltung, Bewegung und Körperwahrnehmung angeht. Strukturelle Integration optimiert den Zustand des Fasziennetzes, damit es diese wichtigen Aufgaben gut bewältigen kann. 

Was sind Faszien?

Elemente und Strukturen des Fasziennetzes

Faszien sind ein Gewebetyp aus Zellen, kollagenen Fasern, Grundsubstanz und Wasser. Faszien werden auch als Bindegewebe bezeichnet.

Das Fasziennetz besteht aus diesem weichen, Kollagen enthaltenden, losen und dichten fasrigen Bindegewebe. Es durchzieht den Körper netzartig und verbindet alle Körperstrukturen miteinander.

Zum Fasziennetz gehört eine Vielzahl von Strukturen: Fettgewebe, fasziale und neurovaskuläre Hüllen, Aponeurosen, tiefe und oberflächliche Faszienschichten, Epineurium, Gelenkkapseln, Bänder, Membranen, Hirnhäute, myofasziale Erweiterungen, Knochenhaut, Retinacula, Septen, Sehnen, viszerale Faszien und alle intramuskulären und intermuskulären Bindegewebe einschliesslich Endomysium, Perimysium und Epimysium.

Zusammen bilden diese Strukturen ein kontinuierliches Netzwerk. Das Fasziennetz ist grundsätzlich ein System der biomechanischen Selbstregulation. Dieses funktioniert und reagiert immer als Gesamtsystem. Belastungen, Entlastungen und andere Kräfte werden in ihm durchwegs körperweit verarbeitet. Störungen dieses Systems wirken sich demzufolge auch körperweit aus. Dies zeigt sich zum Beispiel darin, dass wir die Ursachen von Beschwerden häufig nicht dort finden, wo sich diese Beschwerden äussern.

Strolling under the Skin

Der französische Handchirurg, Dr. Jean-Claude Guimberteau, gibt uns Einblick in das lebendige Fasziensystem. Sein bahnbrechendes Video «Strolling under the skin» filmte er mit einer hochauflösenden Kamera.

Eigenschaften
courtesy of Anatomy Trains

Eigenschaften der Faszien

Diese Eigenschaften machen Faszien empfänglich für manuelle Beeinflussung:

Faszien sind anpassungsfähig. Sie passen sich der Nutzung und Belastung des Körpers an. Bei starker muskulärer Belastung bildet sich zum Beispiel strafferes Bindegewebe. Wenn extreme Beweglichkeit gefordert ist, bildet sich vermehrt lockeres Bindegewebe.

Faszien sind plastisch. Sie verändern ihre Form, wenn Zugkräfte länger auf sie einwirken.

Faszien sind elastisch. Sie reagieren auf kurzfristig formverändernde Kräfte, indem sie diese Kräfte zurückspielen und wieder ihre Ursprungsform einnehmen.

Faszien haben viskose Eigenschaften. Ihre Viskosität unterstützt das Absorbieren von Kräften.

„Bewegung wird zur Gewohnheit, die zur Haltung wird, die zur Struktur wird.“

Thomas W. Myers

Die Rolle der Faszien
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Aufgaben des Fasziennetzes

Das Fasziennetz übernimmt grundlegende Aufgaben in Bezug auf Haltung, Bewegung, Belastbarkeit und Körpergefühl.

  • Das Fasziennetz hält den beweglichen Körper in einem Gleichgewicht von Stabilität und Labilität. Dieses Gleichgewicht wird beeinflusst durch den Zustand der Faszien und die im Körper vorhandenen Haltungs- und Bewegungsmuster.
  • Im Fasziennetz werden Haltungs- und Bewegungsmuster mit der Zeit physisch abgespeichert. Dies gilt unabhängig davon, wie gesund oder dysfunktional diese Muster sind. Diese Muster lassen sich ohne manuelle Behandlung kaum verändern.
  • Das Fasziennetz verteilt einwirkende Kräfte und Belastungen im gesamten Körper. Je besser die Verteilung funktioniert, desto weniger entstehen Ăśberlastungen, Beschwerden und Verletzungen.
  • Das Fasziennetz ist das reichhaltigste Sinnesorgan des Körpers. Vor allem in und zwischen den oberflächlichen Faszienschichten befindet sich eine Vielzahl von Rezeptoren, welche Informationen zur Eigenwahrnehmung des Körpers verarbeiten. Je besser die Faszienschichten gegeneinander gleiten, desto mehr Informationen werden an diese Rezeptoren ĂĽbermittelt. Dies bedeutet, dass die Qualität der Körperwahrnehmung von der Gleitfähigkeit und Geschmeidigkeit der Faszien abhängt.
Junges Forschungsgebiet

Faszien in der Forschung

Faszien werden erst seit der Jahrtausendwende wissenschaftlich erforscht. Ihre Erforschung ist ein junges und aktives Wissenschaftsgebiet. 

Der erste internationale Kongress zur Faszienforschung fand 2007 an der Harvard Medical School in Boston statt. Seither finden alle drei Jahre Forschungskongresse statt, zuletzt 2025 in New Orleans.

Ungewöhnlich und wertvoll ist, dass an den Faszienkongressen sowohl VertreterInnen der medizinischen Forschung als auch Fachleute der therapeutischen Praxis teilnehmen. Ihr reger Austausch fördert das Zusammengehen von Forschung und Erfahrungswissen.

Die Anzahl der publizierten Studien hat inzwischen exponentiell zugenommen.

Praxis in Ihrer Nähe finden

Links zur Faszienforschung

Mehr Informationen zur Faszienforschung

In den vergangenen Jahren hat die klinische Forschung grosse Fortschritte im besseren Verständnis der Faszien und ihrer Bedeutung für die Gesundheit des Menschen gemacht. Weitere Informationen finden Sie auf folgenden Seiten:

Internationaler Forschungskongress

Der siebte Internationale Faszien-Forschungskongress fand 2025 in New Orleans statt.
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Rolf Research Foundation

Die Ida P. Rolf Research Foundation fördert und unterstützt interdisziplinäre, wissenschaftlich fundierte Forschung.
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